Interview

Interview mit der Frauenärztin und Sexualtherapeutin (i.A.u.S)

Dr.in  Alexandra Meixner.

Wie sind Sie als Frauen-Ärztin zum Kabarett gekommen?

Mit dem Thema Sexualität habe ich mich auch beruflich beschäftigt. Immer wieder haben mich Frauen in meiner Praxis angesprochen und mir über sexuelle Probleme erzählt. Zum Beispiel, dass sie noch nie einen Orgasmus gehabt haben. Ich war sehr dankbar, weil es so ein Vertrauensbeweis war. Andererseits war ich völlig überfordert. Was kann ich mit meiner Lebenserfahrung einer Frau mittleren Alters raten?

Das war auch die Motivation mich zur Sexualtherapeutin ausbilden zu lassen.

Wie kamen Sie dann zur Bühne?

Von der Bezirksbauernkammer in Gmünd wurde ich eingeladen einen Vortrag über „Lustvoll Frau sein“ zu halten. Für mich war es klar, was mit lustvoll gemeint war. Wie sich später herausstellte, hätte man sich eher ein Referat über Brustkrebsvorsorge und Frauenkrankheiten erwartet. Ein glatte Themenverfehlung. Aber ich hatte viel ernste Aspekte heiter verpackt und es ist sehr gut angekommen. Eine Frau hat mich nachher gefragt,  ob ich den Vortrag auch für Männer hätte, denn sie wisse nicht, wie sie das ihrem Mann beibringen könnte.

Und so habe ich dieses kabarettistische Programm erarbeitet, mit meinem Lebensgefährten irrsinnig viel diskutiert: wie kann ich als Frau über männliche Sexualität sprechen ohne besserwisserisch, tadelnd zu sein? Ich wollte ja niemanden kränken, sondern beide Geschlechter ein bisschen durch den Kakao ziehen.

Der Anklang, den Ihr Programm findet, ist ja überwältigend. Alle bisherigen Veranstaltungen in Hirschbach oder Harmanschlag waren ausverkauft. Was ist am Thema Sexualität noch so spannend?

Ich habe gar nicht mit diesem Erfolg gerechnet. Aber es zeigt unter anderem wie wichtig es ist, über dieses Thema ehrlich zu sprechen. Wir haben irrsinnig viel Nacktheit und Pornografie in unserer Gesellschaft, aber wirklich über unsere persönliche Sexualität zu reden, ist immer noch peinlich.

Aktuelle Sexualstudien zeigen: fast 56% aller Männer und 76 % aller Frauen sind mit ihrem Sexualleben unzufrieden. Und diese Unzufriedenheit und die Unmöglichkeit darüber zu reden führen zu einem Wiederspruch. Nach außen hin ist alles in Ordnung. Im Wirtshaus wird geprahlt, im Geheimen ist man  aber oft doch nicht so glücklich und wäre bereit etwas zu ändern, wenn man wüsste wie…

Wie sind die Reaktionen, – sehr unterschiedlich?

Sehr unterschiedlich, aber – bisher – immer sehr positiv. Wirklich schön. Eine Dame jenseits der 60 sagte mir, sie wäre sehr dankbar, es sei nur schade, dass sie das Kabarett nicht schon 30 Jahre früher gesehen hätte.

Für welches Publikum ist das Programm gedacht?

Für alle Menschen, die Sexualität als Ausdruck von zwischenmenschlicher Beziehung und Kommunikation sehen. Egal welchen Alters.

Wie geht’s weiter? Werden Sie eines Tages nur mehr Kabarett machen und den Beruf als Ärztin an den Nagel hängen?

Nein, keinesfalls. Ich strebe keine Karriere als Kabarettistin an. Aber schön ist es schon auf der Bühnen zu stehen und die Reaktionen der Menschen zu erleben und das Lachen…

Interview: Thomas Samhaber

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